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Über „Wahlkreisprognosen“ und „taktisches Wählen“ mit der Erststimme

Abstract:
1. „Wahlkreisprognose.de“ und Co. sind intransparent, unwissenschaftlich und wenig vertrauenswürdig. Sie haben ferner keinen Blick für die lokal relevanten Gegebenheiten. Statt des Blicks in die Kristallkugel lohnt daher ein Blick auf Wahlergebnisse und die Gegebenheiten vor Ort.
2. Wer in den Großstädten bei der Landtagswahl die rechten Parteien besiegen will – AfD oder CDU – muss in den meisten Wahlkreisen dieser Städte DIE LINKE wählen. Selbst wem es nur darauf ankommt, die AfD „klein zu halten“ – unabhängig vom Abschneiden der CDU – wählt in den meisten Fällen besser DIE LINKE als CDU oder Grüne.

Spätestens kurz nach der Feststellung dessen, was offenkundig war, nämlich dass die AfD im Gegensatz zu so mancher Kleinstpartei nicht in der Lage ist, ordentliche Aufstellungsversammlungen zur Wahl ihrer Landesliste durchzuführen, raschelt es wieder mächtig im digitalen Blätterwald. „Anleitungen“, wer zu wählen sei, um Sitze der Rechtsradikalen zu verhindern, tauchen auf. Viele von diesen: mangelhaft, schlecht recherchiert, im Zweifel sogar falsch und – gemessen am Ziel – teils gefährlich. Daher an dieser Stelle ein kurzer Blick auf einige Aspekte dieser Debatte.

1. Wetthefte: Wer gewinnt wie wahrscheinlich welchen Wahlkreis

a) Das Geschäftsmodell der „Prognose“-Anbieter

Bereits seit dem Start von „election.de“ vor einiger Zeit erfreuen sich „Prognose“-Websites über mögliche Wahlgewinner*innen in Bundestags- und Landtagswahlkreise großer Beliebtheit. Hauptakteur in diesem Feld ist seit einiger Zeit „wahlkreisprognose.de“. Das Geschäftsmodell hingegen ist das gleiche, wie schon bei election.de: „Prognosen“ an interessierte (und häufig überraschend ahnungslose) Direktkandidat*innen der Parteien verkaufen. Damit das funktioniert, werden regelmäßig bunt ausgemalte Karten meist ohne detaillierte Werte veröffentlicht – und mittlerweile gerne auch ab und an von diversen Zeitungen veröffentlicht. Das ist die Werbung der „Prognose“-Anbieter für ihre Produkte.

b) Mehr Unbekannte machen kein genaueres Ergebnis

Schon bei klassischen Sonntagfragen, egal ob zu Bundestags- oder Landtagswahlen, ist eines klar: Sie sind keine Prognosen auf den Wahlausgang, sondern gewichtete und gerundete Abbildungen der momentanen Stimmungslage auf Grund von (meist repräsentativ durchgeführten) Umfragen. Das schreiben seriöse Institute wie infratest dimap auch selbst über ihre eigenen Sonntagfragen. Diese Umfragen haben nicht nur einen Rundungsfehler, sondern auch eine Schwankungsbreite von bis zu etwas mehr als 3 Prozentpunkten – nach oben und unten. Prognose hingegen ist das, was wir an Wahltagen 18:00 Uhr über die Bildschirme flimmern sehen. Wie dem auch sei: Die Sonntagsfragen sind eine der Quellen, auf denen die Wahlkreis-„Prognostizierer“ ihre Wertungen schöpfen.

Die zweite und deutlich bessere Quelle sind echte Wahlergebnisse vorangegangener Wahlen. Diese sind jedoch nicht immer leicht zu interpretieren, da es sich meist um Wahlen verschiedenen Typs (daher mit eigener Funktionsdynamik) und mit verschiedenen Debatten handelt. Aus einem Wahlergebnis einer Kommunalwahl lässt sich – obgleich am selben Tag gewählt – nicht zwangsläufig auf das Wahlergebnis derselben Partei bei der Europawahl schließen. Warum? Weil die Europawahl in Sachsen eine reine Listenwahl ist, die Kommunalwahl eine reine Personenwahl. Weil die Kandidat*innenkonstellation (Personen wie Parteien) bei der Euopawahl eine andere ist, als bei der Kommunalwahl. Weil die lokalen Debatten und Schwerpunkte der Parteien möglicherweise ganz anders verlaufen, als die europapolitischen. Ein deutliches Beispiel sind die Unterschiede der Partei DIE LINKE bei der Europa- und Kommunalwahl im Mai 2019: Holte DIE LINKE bei der Europawahl in Leipzig 15 % und wurde viertstärkste Kraft, so erzielte sie bei der Stadtratswahl am gleichen Tag 21.4 % und wurde stärkste Kraft.

Neben Umfragen und Wahlen behaupten die „Prognose“-Anbieter ferner, auch weitere Faktoren zu berücksichtigen. Dazu gehören beispielsweise demographische Aspekte: Wer zieht wohin, wer zieht weg usw. Das hat – gerade in den Städten – auch teils in kurzen Zeiträumen große elektorale Auswirkungen. In Leipzig kann man das an einigen Ortsteilen betrachten: Dort, wo Mitte der 2000er Jahre sowohl gesellschaftlich als auch wahltechnisch noch NPD-Hochburgen waren, dominieren jetzt DIE LINKE und Grüne, während Rechtsparteien kaum einen Stich sehen. Das hat freilich nicht unbedingt etwas mit einem gravierenden Einstellungswandel der dort lebenden Menschen zu tun sondern mit Fort- und Zuzügen bestimmter Einwohner*innengruppen.

Wer einen Direktwahlkreis gewinnt hängt ferner in Teilen auch immer noch von den Kandidatinnen und Kandidaten vor Ort ab. Mindestens das ist ein Faktor, den man ohne Ortskenntnis (Personen, Debatten, Dynamiken) aus der ferne kaum einschätzen kann.

Kurzum: Es gibt unfassbar viele Faktoren (hier sind nur einige genannt), welche das Erststimmenergebnis in einem Wahlkreis letztlich ausmachen. Viele dieser Faktoren sind für sich genommen alleine schon schwer zu interpretieren und zu quantifizieren. Die Behauptung der „Prognose“-Anbieter, all dies zu berücksichtigen, ist zum einen wenig glaubhaft (lokaler Kontext) und zum anderen führt das lustige vermengen mehrerer recht vager Informationen keineswegs zu einem genaueren Gesamtergebnis. Der Vorgang „Ich nehme mir hier mal irgendwelche alten Wahlergebnisse, vermische diese mit herruntergerechneten – bereits ungenauen – Umfrageergebnissen aus Bund- und Land und gewichte gegebenenfalls noch ein bisschen händisch nach und verkaufe dann bis auf die Nachkommastelle ‚genaue‘ Prognosen“ ist hauptsächlich eines: Hokuspokus.

c) Intransparenz

Die „Prognose“-Anbieter legen – wenig überraschend – ihre Modellberechnungen nicht offen. Das führt aber dazu, dass ihre „Ergebnisse“ weder überprüfbar noch valide kritikabel sind. Sie sind eine Frage des Glaubens und keine der Wissenschaft.

d) „Aber früher waren die doch treffsicher!“

Gerne rühmen sich die Anbieter der verschiedenen „Prognosen“ mit ihrer vermeintlichen „Treffsicherheit“ bei vergangenen Wahlen. Dabei sollte man jedoch im Blick behalten, dass die meisten „Vorhersagen“ über Wahlkreissieger – gerade in Sachsen – in der Vergangenheit alles andere als schwer waren. Jede*r Zeitungsleser*in hätte ohne Kenntnis der konkreten Direktkandidat*innen über 25 Jahre lang auf CDU-Wahlerfolge tippen können, und fast immer Recht behalten. Aus „in der Vergangenheit habe ich richtig geraten“ lässt sich aber eben kein „auch in der Zukunft rate ich richtig“ schließen. Hinzu kommt, dass sich die Parteienlandschaft in Sachsen mittlerweile deutlich verändert und auch regional ausdifferenziert hat.

e) Was also dann?

Fakt ist: Wahlkreisgewinne kann man, wie andere Wahlergebnisse auch, nicht präzise „vorhersagen“. Das Wahlergebnis entsteht durch eine Wahl und nicht durch Rätselraten im Vorfeld. Natürlich kann man sich aber Gedanken machen, was man für wie realistisch hält. Dafür empfiehlt es sich aber eher, sich auf sich selbst, die eigene Ortskenntnis und harte sowie selbst überprüfbare Zahlen – also vergangene Wahlergebnisse – zu stützen und nicht auf dubiose und intransparente Wettquoten-Anbieter, die bunt ausgemalte Wahlkreiskarten veröffentlichen, um ihr Geschäftsmodell zu bewerben.

2. Der Ausgang vergangener Wahlen in Sachsen

a) Welche Wahlen macht man zum Vergleichgegenstand

Zunächst stellt sich die Frage, wenn man denn Siegchancen in Wahlkreisen erörtern möchte, welche harten Zahlen, also tatsächliche Wahlergebnisse, man zur Grundlage einer solchen Betrachtung machen möchte. In Frage kommen:

  1. Die Wahlergebnisse der Landtagswahl 2014
  2. Die Wahlergebnisse der Bundestagswahl 2017
  3. Die Wahlergebnisse der Europawahl 2019
  4. Die Wahlergebnisse der Kommunalwahl 2019

Bei all diesen Optionen gibt es berechtigtes Für- und Wider. Die Landtagswahlen 2014 sind eine Wahl gleichen Typs wie die Landtagswahl 2019 und bieten sich daher an – liegen aber freilich am längsten zurück.

Die Europa- und Kommunalwahlen sind hingegen die „jüngsten“ Wahlen, haben aber eine besondere – und zu den Landtagswahlen abweichende – Funktionsdynamik: Die Europawahlen sind reine Parteienwahlen, während die Kommunalwahlen reine Personenwahlen sind. Bei beiden Wahlen gibt es keine formale Sperrklausel (im Gegensatz zur Landtagswahl) und die Kandidat*innenlage ist sehr spezifisch (besonders viele Wahlantritte bei der Europawahl, eher weniger bei der Kommunalwahl).

Die Bundestagswahlen von 2017 sind weder die jüngsten noch die ältesten vorhandenen Ergebnisse. Bundestagswahlen haben zumeist eine deutliche höhere Wahlbeteiligung als Landtagswahlen, sind jedoch im Wahlverfahren (Erst- und Zweitstimme, Sperrklausel) funktional ähnlich.

Die sehr unterschiedlichen Wahltypen und deren Funktionsweise zeigen sich beispielsweise auch in den unterschiedlichen Stimmenanteilen der sonstigen Parteien – an dieser Stelle am Beispiel Leipzigs:

[table id=8 /]

Insbesondere die Europawahl 2019 sticht hier besonders hervor. Man sieht also, dass funktional verschiedene Wahlen vermutlich durchaus auch Einfluss auf das Wahlverhalten und damit die Wahlergebnisse haben können. Auf Grund obiger Ausführungen sollen an dieser Stelle also vor allem die vergangene Landtagswahl 2014 und die Bundestagswahl 2019 als Vergleichsgegenstand betrachtet werden.

b) Was Wahlergebnis der Landtagswahlen 2014

Bei der Landtagswahl 2014 konnte die CDU 59 der 60 Wahlkreise gewinnen (die AfD gewann damals nur im Wahlkreis 61 – Maxim-Gorki-Park). Der Wahlkreis 28 (Leipzig II / Leipzig-Süd) ging an Jule Nagel (DIE LINKE). Doch auch in einigen anderen Wahlkreisen waren die Ergebnisse knapper als es die schwarz eingefärbte Wahlkreiskarte von damals vermuten ließ:

  1. Im Wahlkreis 11 (Chemnitz II) lag die Bewerberin von DIE LINKE, Susanne Schaper, nur 2.4 Prozentpunkte hinter dem CDU-Kandidaten.
  2. In den Wahlkreisen 29, 30 und 31 (Leipzig III, IV und V) lagen die Kandidat*innen von DIE LINKE nur 1.2 bis 1.6 Prozentpunkte hinter der Union.
  3. Im Wahlkreis 45 (Dresden 5) waren es 3.1 Prozentpunkte Abstand der Kandidatin von DIE LINKE auf die CDU.
  4. In vier weiteren Wahlkreisen der kreisfreien Städte (WK 12 / Chemnitz III, WK 32 / Leipzig VI, WK 33 / Leipzig VII, WK 47 / Dresden VII) waren es weniger als zehn Prozentpunkte.

Freilich: Die AfD war zu dieser Wahl noch nicht einmal in allen Wahlkreisen angetreten – und dort, wo sie Kandidaten aufgestellt hatte, hatten diese keine Chance. Übrigens ebensowenig wie die 60 Kandidat*innen der Grünen. Zumindest ersteres hatte sich mit der Bundestagswahl 2017 – bei der die AfD im übrigen landesweit ein besseres Ergebnis erzielte, als zur Europawahl – geändert:

c) Das Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017

Nach dieser Bundestagswahl wurde bundesweit über das sächsische Ergebnis diskutiert. Hatten sich doch einige der vormals schwarzen Regionen blau-braun eingefärbt. Das jedenfalls war der Blick auf die Bundestagswahlkreise. Doch auch der Blick auf die (Erststimmen-)Wahlkreisergebnisse der Bundestagswahl auf die Landtagswahlkreise umgerechnet lohnt an der Stelle, wo die Ergebnisse der vergleichsweise knapp waren:

[table id=9 /]

Wie man sieht, stellt sich folgendes Bild dar:

  1. DIE LINKE hatte bei der Bundestagswahl 2017 in drei Landtagswahlkreisen (Erststimmen) die Nase vorn gehabt.
  2. In drei weiteren Wahlkreisen war DIE LINKE mit sehr knappem Abstand auf die Union zweitplatzierte Partei. (Wobei zwei der Wahlkreise in einem Gebiet in Zwickau liegen, wo zur Bundestagswahl kein AfD-Bewerber angetreten ist).
  3. In sechs weiteren Wahlkreisen lieferte lag DIE LINKE drittplatziert mit einem Abstand von maximal 5.3 Prozentpunkten hinter dem theoretischen Gewinner (meist CDU) von Rechts.
  4. In den verbleibenden sechs Wahlkreisen lag dieser Abstand zwischen ca. 7 und 11 Prozentpunkten.

Mit Blick auf alle Wahlkreise der Landtagswahl 2019 stellt sich das Ergebnis der Bundestagswahl wie folgt dar:

  1. In drei Wahlkreisen lag DIE LINKE vorn.
  2. In fünf Wahlkreisen war sie zweitplatzierte Partei – nach der CDU. (Achtung: vier der Wahlkreise in Zwickau, s. o.)
  3. In 48 Wahlkreisen war DIE LINKE drittstärkste Partei nach den beiden rechten Parteien.
  4. In vier Wahlkreisen war sie hingegen nur viertstärkste Partei – nach den beiden rechten Parteien und der SPD.

Wenn man statt der Erststimmen zur Bundestagswahl 2017 die Zweitstimmen betrachtet, gibt es insgesamt 16 Wahlkreise, in denen DIE LINKE entweder auf Platz 1 lag (zwei Wahlkreise) oder aber sie weniger als ein Prozentpunkt (zwei Wahlkreise), weniger als als fünf Prozentpunkte (drei Wahlkreise) oder fünf bis zehn Prozentpunkte vom Erstplatzierten entfernt lag (restliche 9 Wahlkreise).

3. Die Folgen der kurzen Landesliste der AfD

Bekanntermaßen hat die AfD es nicht geschafft, ihre Landesliste gemäß der gesetzlichen Bestimmungen korrekt zu wählen. Ihre Landesliste umfasst daher nur noch 18 Personen. Ferner hat die AfD in allen 60 Wahlkreisen Direktkandidaten aufgestellt. Alle 18 Listenkandidaten der AfD (darunter befindet sich tatsächlich nur eine Frau) sind auch Direktkandidaten der AfD. Was heißt dies nun? Nun vorab: Das lässt sich nicht sicher sagen – denn es hängt vom Wahlergebnis ab. Und das Wahlergebnis gibt’s bekanntermaßen erst am Wahlabend und wird vorher am Wahltag „produziert“ (Briefwähler „produzieren“ freilich schon vorher mit). Einiges lässt sich aber festhalten:

  1. Die AfD kann über ihre Landesliste maximal 18 Personen in den Landtag schicken.
  2. Es können jedoch mehr Kandidaten der Rechtsradikalen im Landtag sitzen – abhängig von der Zahl der Direktmandate und wer diese Direktmandate gewinnt.
  3. Es gibt gewissermaßen zwei Typen von Direktkandidaten der AfD: Solche, die auch auf der Landesliste stehen und solche, die dies nicht tun. Sollten diejenigen AfD-Kandidaten, die auf der Landesliste stehen, ein Direktmandat gewinnen, wird ihr Listenplatz irrelevant. Gewinnen sie das Direktmandat nicht könnten sie – das entsprechende Ergebnis vorausgesetzt – über die Liste einziehen. Heißt: Bei ausreichend hohem AfD-Wahlergebnis (Zweitstimmen) führt ein verhinderter AfD-Direktwahlkreis-Sieg möglicherweise nur dazu, dass die gleiche Person über die Landesliste einzieht.
  4. An dem ganz grundlegenden Aspekt, dass, wer keinen Wahlerfolg der AfD wünscht, ein großes Interesse daran haben sollte, dass die AfD weder Wahlkreise gewinnt noch ein gutes Zweitstimmenergebnis hat, ändert das nichts. Es wird – auch abhängig vom Ergebnis – nur noch ein bisschen relevanter, dass die AfD vor allem bestimmte Wahlkreise nicht gewinnt.

4. Was tun in den Städten? Beispiel Leipzig

In den sächsischen Großstädten schwächelt nicht nur die AfD, auch die CDU schneidet hier schwächer ab. DIE LINKE und die Grünen sind hingegen tendenziell stärker. In einigen Wahlkreisen gibt es vor allem Duelle zweier Parteien bzw. ihrer Kandidat*innen, in einigen anderen eher Dreikämpfe wenn nicht gar Vierkämpfe. Die von einigen Websites ausgerufene pauschale Parole, in den Großstädten müsse man Grüne oder gar CDU wählen, um einen AfD-Sieg zu verhindern, zeugt von mangelnder Kenntnis der Umstände vor Ort und der Ergebnisse vergangener Wahlen. Daher an dieser Stelle ein Blick auf besonders spannende Wahlkreis ein Leipzig:

Wahlkreis 28 / Leipzig II (Süd): Hier konnte Juliane Nagel (DIE LINKE) 2014 das einzige nicht-CDU-Direktmandat Sachsens holen. Auch bei der Bundestagswahl 2017 lag DIE LINKE hier deutlich vor der CDU (Erststimmen 5.5 %-Punkte, Zweitstimmen 4.6 %-Punkte). AfD, SPD und Grüne abgeschlagen. Auch bei der Stadtratswahl 2019 konnte DIE LINKE hier stärkste Partei werden – und die Kandidatin Juliane Nagel, die auch zur Landtagswahl antritt, holte stadtweit die meisten Stimmen aller Kandidat*innen aller Parteien. Kurzum: In diesem Wahlkreis ist die Wahl von bspw. den Grünen eher eine Stimme für den Sieg der CDU. Die AfD spielt in diesem Wahlkreis keine Rolle.

Wahlkreis 29 / Leipzig III (Südwest und Grünau): Bei der Landtagswahl 2014 fehlten DIE LINKE nur 1.4 Prozentpunkte für den Sieg gegen die CDU. Bei der Bundestagswahl 2017 landete DIE LINKE mit etwa 5 Prozentpunkten Abstand sogar nur knapp auf dem dritten Platz. Bei der Stadtratswahl 2019 hingegen lag sie nur 0.04 Prozentpunkte (37 Stimmen) hinter der erstplatzierten AfD und vor der drittplatzierten CDU.

Wahlkreis 30 / Leipzig IV (Alt-West, Schleußig, Plagwitz, Lindenau & Co.): Auch hier gewann 2014 die CDU das Direktmandat – allerdings mit nicht einmal 1.2 %-Punkten Vorsprung vor DIE LINKE. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte DIE LINKE dann die Nase mit knapp 2.7 %-Punkten vor der CDU und wurde stärkste Erststimmen-Kraft. Wie auch im Wahlkreis 28 hat die AfD in diesem Wahlkreis kaum keine Chance auf ein Direktmandat – das gilt es, der CDU abzunehmen.

Wahlkreis 31 / Leipzig V (Mitte und Reudnitz): Auch hier gab es 2014 ein knappes Rennen zwischen CDU und DIE LINKE. Letztlich konnte erstere mit etwas über 1.6 %-Punkten Vorsprung das Direktmandat halten. Bei der Bundestagswahl 2017 schrumpfte dieser Vorsprung auf 0.5 %-Punkte ein. Auch hier sehr deutlich hoffnungslos: Die AfD. Vergleichsweise stark hingegen sind hier auch die Grünen.

Wahlkreis 33 / Leipzig VII (Nordosten inkl. Volkmarsdorf und Neustadt-Neuschönefeld): Bislang ein sicheres Eisen für die CDU. Bei der Landtagswahl wurde sie bei den Erststimmen mit 6.7 %-Punkten Vorsprung vor der LINKEN Siegerin. Doch zum Wahlkreis gehören auch einige Ortsteile, die sich besonders rasch wandeln. Bei der Bundestagswahl wurde die CDU mit 26 % vor AfD (22.1 %) und DIE LINKE (20.9 %) wie schon zur Landtagswahl erneut stärkste Partei. Doch bei der Stadtratswahl 2019 konnte DIE LINKE bezogen auf die Grenzen dieses Landtagswahlkreises knapp stärkste Kraft (21.5 %) vor der CDU (20 %) werden – danach folgen AfD (18.7 %) und Grüne (16 %). Für die Landtagswahl daher ein unterschätzter Wahlkreis, in dem DIE LINKE sowohl der CDU ein Direktmandat abnehmen als auch eines der AfD verhindern kann.

2 Antworten auf „Über „Wahlkreisprognosen“ und „taktisches Wählen“ mit der Erststimme“

Bitte korrigieren: Wahlkreis 33 ist Leipzig 7 nicht Leipzig VI. Sicherheitshalber keine römischen Zahlzeichen verwenden, um Verwechslungen zu vermeiden. Danke.

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