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Erste Einblicke: 2. Wahlgang der OBM-Wahl in Leipzig

So knapp war es noch nie: Zwar lag Burkhard Jung (SPD) bei seiner ersten Kandidatur als Oberbürgermeister von Leipzig im Februar 2006 mit 51.6 % auch nur knapp über der 50 %-Marke, doch war immerhin noch 7.6 %-Punkte von seinem wenig schillernden CDU-Konkurrenten Uwe Albrecht (44 %) entfernt. Diesmal und vierzehn Jahre später war Jung nur noch 1.5 %-Punkte von dem mit aller Kraft des Geldes und modernen Marketings gepushten CDU-Kandidaten Sebastian Gemkow entfernt, der zur Landtagswahl 2019 noch aus Angst vor einer Niederlage seinen Wahlkreis lieber in den Landkreis Nordsachsen verlegt hatte. Grund genug, noch am Wahlabend einen kurzen Blick auf die Wahlergebnisse zu werfen – auch wenn in dieser Eile fundierte Analysen freilich nur schwer zu machen sind.

Im zweiten Wahlgang doch keine höhere Wahlbeteiligung als im ersten Wahlgang

Erstmals bei einer OBM-Wahl nach 1990 (derer gab es inkl. dieser Wahl sechs, davon fünf mit zweitem Wahlgang) lag die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang (48.4 %) fast so hoch wie im ersten Wahlgang (49.1 %). Die Wahlbeteiligung des zweiten Wahlgangs ist damit zwar keineswegs hoch, aber dennoch die höchste bei diesem Wahltyp seit 1998.

Wer mobilisierte stärker?

Bereits nach dem ersten Wahlgang wurde hier versucht die Wahlbeteiligung einzuordnen. Sie wurde dazu ins Verhältnis zur Wahlbeteiligung bei der Stadtratswahl 2019 bzw. der Stadtrats- und der Landtagswahl 2019 gesetzt. Dabei fiel auf, dass die bei Wahlen eher zu (Mitte-)Links-Parteien bzw. -Kandidat*innen neigenden Ortsteile anteilig etwas schwächer mobilisierten. Die Frage, ob in diesem Sinne „aufgeholt“ werden konnte, lässt einen Blick auf die Veränderung der Wahlbeteiligung in den Ortsteilen zwischen den beiden Wahlgängen als lohnenswert erscheinen:

Auf den ersten Blick dürfte allerdings vor allem auffallen, dass ein erster Blick schwierig ist. Die Differenz aus Wahlbeteiligung beim zweiten und beim ersten Wahlgang bewegt sich in den Ortsteilen zwischen -2.5 und +1.4 Prozentpunkten (Stadt gesamt: -0.6 Prozentpunkte*). Die Spannbreite ist damit nicht sehr groß.

Die Ortsteile lassen sich anhand des Ergebnisses des zweiten Wahlgangs auch Jung oder Gemkow zuordnen – je nachdem, wer vorne lag. Das ist freilich keine feinsinnige Abstufung und auch keine Korrelationsanalyse – soll für einen schnellen Blick auf den zweiten Wahlgang aber zunächst ausreichen. Mit dieser Unterteilung ergibt sich folgendes Bild:

  • 21 Jung-Ortsteile mit ca. 217.700 Wahlberechtigten
  • 42 Gemkow-Ortsteile mit ca. 251.500 Wahlberechtigten

Der Mittelwert der Differenz der Wahlbeteiligungen beider Wahlgänge sieht wie folgt aus:

  • Jung-Ortsteile: -0,73 %-Punkte
  • Gemkow-Ortsteile: -0.39 %-Punkte

Werden statt der Ortsteile (und ihres Mittelwerts) die beiden Gebiete zusammengefasst (gewissermaßen in ein „Jung-Land“ und ein „Gemkow“-Land), so hat sich die Wahlbeteiligung wie folgt verändert:

  • Jung-Land: -0,73 %-Punkte (Beteiligung 1. Wahlgang 51.4 % / 2. 50.7 %)
  • Gemkow-Ortsteile: -0.51 %-Punkte (Beteiligung 1. Wahlgang 47 % / 2. 46.5 %)

Es scheint also möglich zu sein, dass weder der eine oder andere Kandidat bzw. dessen politisches Lager (diese sind bei Personenwahlen nicht so einfach zuzuordnen) stärker als der andere mobilisieren konnte – aber auch nicht eingebrochen ist. Das als wahr angenommen hieße aber auch, dass die ursprüngliche „Mobilisierungsschwäche Links“ nicht wirklich verschwunden ist oder sich zumindest in der Wahlbeteiligung nicht einfach abbilden lässt.

Blick auf mögliche Stimmentransfers

Bis auf drei Kandidat*innen hatten alle anderen Bewerber*innen des ersten Wahlgangs darauf verzichtet, im zweiten Wahlgang erneut anzutreten – teils mehr, teils weniger deutlich zu Gunsten einer der beiden als aussichtsreich geltenden Bewerber. Jung durfte dabei vor allem auf Stimmen von Wähler*innen hoffen, die im ersten Wahlgang ihn, Franziska Riekewald (DIE LINKE), Katharina Krefft (Grüne) oder Katharina Subat (Die PARTEI) gewählt hatten. Zusammen kamen diese vier im ersten Wahlgang auf ca. 57.7 %. Jung erhielt im 2. Wahlgang 49.1 % – also etwa 8.5 %-Punkte unterhalb dieses aufsummierten Ergebnisses. Gleichzeitig konnte Jung sein Ergebnis in einigen Ortsteilen aber enorm steigern. Extrembeispiel ist hier Volkmarsdorf, wo Jung im 1. Wahlgang 22.4 % erhielt, im 2. Wahlgang jedoch 75.6 %.

Mit Blick auf die verschiedenen Ortsteile zeigt sich allerdings, dass der „Stimmentransfer“ von Wähler*innen anderer Kandidat*innen keineswegs überall gleich gut funktioniert hat:

Gänzlich von der (irritierenden) Ausnahme des Zentrums (nirgendwo gab es weniger Wähler*innen) abgesehen, zeigt sich, dass der Stimmentransfer zu Jung eher dort erfolgreich war, wo er in größerem Maße überhaupt stattfinden konnte. Anders gesprochen: Dort, wo es besonders nötig war, dass ein Stimmentransfer stattfindet, scheint er auch besser funktioniert zu haben. In der Südvorstadt (wo immerhin doppelt so viele Wahlberechtigte leben wie Plaußig-Portitz, Baalsdorf, Althen-Kleinpösna, Hartmannsdorf-Knautnaundorf, Miltitz und Seehausen zusammen) lag der Stimmenanteil Jungs im 2. Wahlgang etwa nur 6 %-Punkte unter dem aufsummierten Ergebnis der vier vorhergehend genannten Kandidat*innen im ersten Wahlgang – in Neustadt-Neuschönefeld, Volksmarsdorf, Connewitz, Schleußig, Plagwitz und Lindenau waren diese Werte ähnlich, teils sogar etwas besser.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Betrachtet man die absolute Stimmenzahl von Burkhard Jung im ersten wie auch im zweiten Wahlgang auf Ebene der Ortsteile so ist festzustellen, dass Jung in vielen Ortsteilen seine Stimmenzahl kaum steigern konnte: In Plaußig-Portitz, Seehausen und Althen-Kleinpösna hatte Jung im zweiten Wahlgang sogar weniger Stimmen (!), als im ersten Wahlgang:

In sechs weiteren Ortsteilen, darunter einige spät eingemeindete, konnte Jung seine absolute Stimmenzahl nur im einstelligen Prozentbereich erhöhen. Das legt zumindest nahe, dass einige (wenn auch nicht bevölkerungsreiche) Ortsteile von Leipzig gibt, in denen der angestrebte Stimmentransfer vom ersten in den zweiten Wahlgang nahezu überhaupt nicht stattgefunden hat – jedenfalls nicht im Sinne derer, die ihn erhofft haben. (Wobei an dieser Stelle darauf hingewiesen sein soll, dass über Veränderungen der individuellen Wahlentscheidung aus den Daten der Wahlergebnisse nicht so einfach geschlossen werden kann.)

Für ein kleines Fazit scheinen mir diese ersten Betrachtungen zu flott und die (vorläufigen) Wahlergebnisse noch nicht alt genug zu sein, aber die Interpretation, dass einige der Leipziger Ortsteile bei Wahlen nicht nur anders entscheiden (was auf jeder Wahlkarte mit den Leipziger Ortsteilen seit langem deutlich zu sehen ist), sondern sich die Wähler*innen der selben Kandidat*innen zwischen erstem und und zweitem Wahlgang im Zweifel auch teilweise anders umentscheiden, soll Anregung genug sein.

* Warum ergibt 48.4 – 49.1 = -0.6? Weil die 48.4 % eigentlich 48.45 % und die 49.1 % eigentlich 49.06 % sind.

2 Antworten auf „Erste Einblicke: 2. Wahlgang der OBM-Wahl in Leipzig“

[…] Kuno, consigliere comunale, è normalmente una sorta di spina nel fianco per Jung. Ma è indubbio che il suo partito abbia dato, in questo secondo turno, una forte spinta contro l’astensionismo nel quartiere più citato – assieme alla zona di Eisenbahnstrasse – in questa campagna elettorale. E non era citato per elogiarlo, al contrario. Che al secondo turno i connewitzer andassero nuovamente al voto non era scontato. Il Die Partei ce l’ha messa tutta per convincerli. Tuttavia va notato che la somma dei voti per Jung al secondo turno – considerando l’intera città di Lipsia – è notevolmente inferiore alla somma dei voti presi al primo turno dai partiti che lo sostengono. In altre parole: se il numero di votanti tra il primo e il secondo turno è rimasto uguale, questo significa che molti elettori di sinistra si sono astenuti, mentre l’invito al voto è stato raccolto dai ceti più conservatori. Per approfondire l’argomento può essere utile questo articolo che, a urne a poco chiuse, tenta un’analisi dei flussi elettorali. […]

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