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DIE LINKE erklärt

Die Schwierigkeit der parteiinternen Wahlauswertung

Dieser Beitrag erschien im Mitteilungsblatt (Monatszeitung von DIE LINKE. Leipzig) 10/2017.

Zahlen fliegen durch die Luft, verschiedene Interpretationen stoßen aufeinander und es wird auch in der eigenen Partei um das gerungen, was man Deutungshoheit nennt. Eine Wahlauswertung hat viele Fallstricke, um hier nur wenige zu nennen:
Erstens: Trennen. Es lohnt sich, die Auswertung der Wahl(ergebnisse) und des Wahlkampfes voneinander zu trennen. Denn es gibt wenig gesicherte Erkenntnisse, wie die verschiedenen Wahlkampfmethoden wirken – zumal die Konkurrenz ja auch nicht schläft. Ob ein Wahlkampf organisatorisch gut lief, lässt sich am besten anhand dessen bewerten, was real passiert ist – und nicht am Wahlergebnis. Es gilt: Man kann auch mit einem guten Wahlkampf miese Ergebnisse haben und umgekehrt.
Zweitens: Erkenntnisinteresse. Man kann Wahlen instrumentell auswerten. Das kann dann zum Beispiel bedeuten, dass diejenigen, die „an der Täte sind“ das Wahlergebnis besser bewerten, als diejenigen, die nicht an den Schalthebeln sitzen – das aber gerne wöllten, und daher die Ergebnisse eher schlecht finden, auch wenn unter ihrer Regie möglicherweise das gleiche passiert wäre. Wer Wahlen sinnvoll auswerten will, sollte also ein echtes Erkenntnisinteresse haben.
Drittens: Vergleichsgegenstände. Am Wahltag gibt es ein Ergebnis. Meist ist klar: Man setzt dies dann ins Verhältnis zum Ergebnis der vorhergehenden Wahl gleichen Typs. Zeigt der Balken nach oben, ist das Ergebnis gut, zeigt er nach unten, ist es schlecht. So einfach ist das freilich nicht. Hatte die Partei bspw. schon bei der vorhergehenden Wahl einen massiven Absturz, ist eine nur leichte Verbesserung weniger befriedigend als möglicherweise ein kleiner Verlust nach einem triumphalen Zugewinn bei der Wahl zuvor. Außerdem kann man das Ergebnis verschieden messen. Im Normalfall anhand der gültigen Stimmen, denn das ist für die Macht- und Sitzverteilung entscheidend. Man kann natürlich auch die absoluten Stimmen betrachten, wobei diese nicht nur von Veränderungen der Wahlbeteiligung abhängig sind, sondern auch von der Zahl der Wahlberechtigten. Deshalb lohnt bspw. der Blick auf den Stimmenanteil, den man bezogen auf diese Wahlbrechtigten bekommen hat, weil das etwas über (anteilige) Mobilisierungskraft aussagt.
Viertens: Trends. Gerne wird mit Trends argumentiert – doch derlei gibt es viele. Langfristige über mehrere Wahlen, kurzfristige, die nur die Veränderung zur Vorwahl berücksichtigen, den Trend im Bund, in Ostdeutschland, in Städten und auf dem Land, bei bestimmten Altersgruppen, in Milieus usw. usf. Wo man an einer Stelle gegen einen Trend gewonnen hat, spielt möglicherweise ein anderer Trend eine Rolle, mit dem man sich entwickelt halt.

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